Die Volksbank Delitzsch eG und die Leipziger Volksbank haben einen Kooperationsvertrag geschlossen. Künftig wollen die beiden Regionalbanken ihre Zukunft gemeinsam gestalten.
Beide Banken begegnen sich bei der von den Aufsichtsräten einstimmig beschlossenen Kooperation trotz bestehender Größenunterschiede als Partner auf gleicher Augenhöhe. Die vorzubereitende Fusion von zwei kerngesunden Genossenschaften erfolgt aus einer beiderseitigen Position der Stärke heraus. Durch die Verschmelzung sollen die deutlichen Vorteile einer größeren wirtschaftlichen Einheit genutzt werden, um die Herausforderungen zu meistern, die sich aus staatlicher Regulierung, steigender Kundenerwartungen hinsichtlich der Digitalisierung und dem Arbeitskräftemangel ergeben.
„Als vergleichsweise kleines Kreditinstitut mit einer Bilanzsumme von ca. 450 Mio. Euro, 48 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie fünf Geschäftsstellen stehen wir vor denselben Aufgaben wie große Banken. Es ist sinnvoll, Ressourcen zu vereinen“, schildert Lars Plotzki, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Delitzsch, den Antrieb hinter den Fusionsabsichten.
Sein Vorstandskollege, Steffen Dross, ergänzt: „Unsere Ertragslage ist seit Jahren stabil und wir können uns mit Recht als erfolgreiche Genossenschaftsbank bezeichnen. Damit dies so bleibt, ist es nötig, zu wachsen. Durch unser ländlich geprägtes Geschäftsgebiet sind einem organischen Wachstum Grenzen gesetzt. Strategisch ist es daher sinnvoll, durch den Zusammenschluss mit einem starken Partner eine größere Einheit zu bilden. Die geplante Fusion ist der Königsweg, um Stabilität, regionale Verwurzelung sowie Nähe zum Kunden auch in der Region um Delitzsch zu sichern“.
Bei der Abwägung der Möglichkeiten sprechen aus Sicht der Delitzscher drei Kriterien besonders für die Leipziger Volksbank:
Die Größe des Wunschpartners: Mit der Leipziger Volksbank (Bilanzsumme ca. 1,5 Mrd. Euro, 175 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 21 Geschäftsstellen) steht eine wachsende Fusionspartnerin zur Verfügung, die hinsichtlich der Kreditvergabemöglichkeiten an die heimische Wirtschaft neue Potentiale für Kunden in Delitzsch und Umgebung ermöglicht.
Infrastruktur im ländlichen Raum: Das heutige Geschäftsgebiet der Leipziger Volksbank erstreckt sich neben der Stadt Leipzig auch auf große Teile des Landkreises Leipzig und den Landkreis Nordsachsen. Die damit vorhandene Infrastruktur zur Kundenbetreuung im ländlichen Raum ergänzt optimal die besonderen Stärken der Volksbank Delitzsch.
Integrationskompetenz: Mit den 2013 und 2017 erfolgten Fusionen mit der VR Bank in Borna und der Raiffeisenbank Torgau hat die Leipziger Volksbank bewiesen, dass eine faire und förderliche Integration der Fusionspartner zum Nutzen von Mitgliedern, Kunden und Mitarbeitern gelingt.
Die Stadt Leipzig ist als Wachstumsmotor mit den umliegenden Landkreisen verflochten. Gemeinsam bilden sie eine Wirtschaftsregion, einen Markt, einen Lebensraum. Mit dem Zusammenschluss der Volksbank Delitzsch und der Leipziger Volksbank entstehen die passenden genossenschaftlichen Strukturen.
„Wir freuen uns sehr auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Delitzsch und deren Know-how, denn die Volksbank Delitzsch hat sich in Sachsen durch exzellente Kundennähe und die gezielte Verbindung von Tradition und Moderne einen ausgezeichneten Namen erarbeitet.“, sagt Andreas Woda vom Vorstand der Leipziger Volksbank.
„Für noch bessere Kreditvergabemöglichkeiten, intensivere persönliche und digitale Leistungen und marktgerechte Konditionen erweitern sich durch die Vergrößerung für beide Fusionspartner die Spielräume deutlich“, freut sich auch Christoph Kothe, ebenfalls Vorstand der Leipziger Volksbank, auf die bevorstehenden Aufgaben.
Vorstandskollege Thomas Auerswald sieht auch große Synergien. „Beispielsweise ist der organisatorische Aufwand zur Sicherstellung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Banken in den vergangenen Jahren dramatisch erhöht worden“, erläutert er. „Es ist sinnvoll, alle Aktivitäten zu bündeln, wo heute in beiden Banken vieles parallel geschieht.“
Die Bank wird auch weiterhin ein attraktiver und verlässlicher Arbeitgeber sein. Fusionsbedingte Kündigungen sind wie in der Vergangenheit Tabu. Die Vorstände betonen, dass „herausfordernde Aufgaben und Möglichkeiten auf unsere leistungsbereiten und engagierten Bankmitarbeitenden warten.“
Sitz der bereits heute unter dem Namen „Leipziger Volksbank eG“ firmierenden Genossenschaft wird Leipzig sein.
Die Führung der Volksbank Delitzsch sieht dennoch eine Stärkung der Fläche: „Wir freuen uns, dass unsere drei Filialen unter dem traditionsreichen Markennamen „Volksbank Delitzsch“ als Niederlassung der Leipziger Volksbank weitergeführt werden.“, so Steffen Dross. Fusionsbedingte Geschäftsstellenschließungen sind nicht vorgesehen. Das Mittelzentrum Delitzsch wird zudem eine exponierte Stellung als Kompetenzcenter für alle Kundengruppen behalten.
Vorgesehen ist, sowohl private als auch gewerbliche Kunden weiter vor Ort zu betreuen. Die intensive Zusammenarbeit mit Kommunen, Verbänden und Vereinen wird auch künftig hohen Stellenwert haben. Durch die wachsende wirtschaftliche Stärke kann die Genossenschaft auch ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen.
Nächste Schritte
Als nächste Schritte kündigten die fünf Vorstandsmitglieder der beiden Genossenschaftsbanken an, die gewählten Vertreterinnen und Vertreter umfassend zu informieren. Neben ihnen werden auch Mitglieder, Kunden und Mitarbeiter in persönlichen Gesprächen, Veranstaltungen oder auf den Internetseiten der Banken regelmäßig auf dem Laufenden gehalten.
- Bereits im Februar sollen paritätisch besetzte Projektgruppen ihre Arbeit aufnehmen, um die reibungslose Zusammenführung der Banken vorzubereiten.
- Die notwendigen Entscheidungsvorlagen werden den Vertreterversammlungen beider Banken voraussichtlich im Juni dieses Jahres vorgelegt.
Die Partner-Genossenschaften im Vergleich
| Volksbank Delitzsch eG | Werte auf Basis 2024 | Leipziger Volksbank |
|---|---|---|
| 438 | durchschnittliche Bilanzsumme in Mio. EUR | 1.507 |
| 132 | bilanzwirksame Kundenkredite in Mio. EUR | 849 |
| 366 | bilanzwirksame Kundengelder in Mio. EUR | 1.292 |
| 44 | wirtschaftliches Eigenkapital in Mio. EUR | 155 |
| 7.347 | Mitglieder | 25.745 |
| A++ | Rating | A++ |
| 3 | Anzahl Standorte | 21 |
| 48 | Anzahl Mitarbeitende | 175 |
Hermann Schulze-Delitzsch hat mit dem Delitzscher Vorschussverein eine der ersten Kreditgenossenschaften in der Region gegründet. Im Wandel der Zeiten haben sie sich als stabile Pfeiler der heimischen Wirtschaft bewährt. Die Vorstandsmitglieder und Aufsichtsratsmitglieder beider Partnergenossenschaften sind sich sicher, mit diesem wichtigen Schritt in die Zukunft eine neue, noch leistungsfähigere Genossenschaft – ganz im Sinne des Gründungsvaters – zu gestalten.